Titelverteidigung bei der Challenge Davos

Mit Vorfreude und einem guten Gefühl bin ich zwei Tage vor dem Rennen nach Davos gereist. Auch um mich ein wenig an die Höhe zu gewöhnen, denn in Europas höchst gelegener Stadt könnte am Renntag die Luft dünn werden. Dabei war das Wetter ideal um die letzten Einheiten aber auch Spazier- und Badegänge zu absolvieren. Der Davoser See mit rund 16°C half mir vor dem Rennen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Der Renntag rückte näher und spätestens bei der Pressekonferenz am Vortag wurde mir bewusst, dass ich hier nicht wie zuletzt beim Inferno unter dem Radar fliegen konnte. Hier war etwas, dass ich so bisher nicht kannte. Doch egal wie, die Beine waren gut und das Material in der Wechselzone leicht genug um für einen zweimaligen schnellen Ansturm auf den Flüelapass gewappnet zu sein.

Ingo Kutsche

Dann war es soweit, der Startschuss fiel und auf dem zweimal zu schwimmenden Rundkurs fand ich mich zu meiner Überraschung schnell an der Spitze wieder. Das war, wie Mario richtig erkannte, noch nicht oft der Fall. Mit rund einer Minute Vorsprung sprang ich – vorsichtshalber warm gekleidet – aufs Rad. Im ersten Anstieg zügelte ich meinen Bergfloh, wollte ich doch meine Kräfte gut einteilen. Nach einer rauschenden Abfahrt zum Wendepunkt in Susch im Engadin kamen mir meine Verfolgerinnen entgegen. Dadurch konnte ich meinen Vorsprung abschätzen, der sich zwar bis zu diesem Zeitpunkt nicht verändert hatte, doch für mich hierüber die erste Info an diesem Tag war. Daraufhin gab ich im zweiten Anstieg meinem Bergfloh die Sporen und für mich gab´s einen großen Schluck aus dem Bidon. Das wirkte und Tritt um Tritt konnte ich mich mehr und mehr absetzen, bis zur zweiten Wechselzone hatte ich meinen Vorsprung auf rund sechs Minuten ausgebaut.

Ingo Kutsche

Wer jetzt gedacht hat, dass eine flache und somit schnelle Laufstrecke im Hochtal folgte, täuscht sich. Mit Gegenwind im Gesicht ging es wellig um den See und über den Panoramaweg. So schön der Blick über die Dächer von Davos sein mag, der Weg dorthin hat es in sich. Klar mag ich es so – wenn die Beine beginnen müde zu werden, tut auch mir jeder Höhenmeter weh.

Ingo Kutsche

Eingangs der zweiten Laufrunde wurde mir erneut mein Vorsprung durchgesagt, er ist konstant geblieben. Zuversichtlich und entspannter konnte ich weiter secklen. Dennoch hatte ich auch beim zweiten Mal keine Zeit und Lust den Ausblick zu genießen, eher schwebten meine Gedanken zum Ziel, wo ich die Titelverteidigung bei der Challenge Davos genießen würde können.
An dieser Stelle will ich einen großen Dank meinem Trainer Wolfram aussprechen, mit seinem Feingefühl stehe ich (nicht nur) an diesem Tag ganz oben auf dem Treppchen.

Ingo Kutsche

Nach einem Föteli hier, einem Föteli dort, Blumen und Champagner ging es zurück ins Hotel bevor die Siegerehrung folgte. Aus der Siegerehrung wurde mit guter Musik, leckeren Häppchen, ein zwei drei Bier und angenehmen Gesprächen eine Siegerfeier bei der die Welt unter Sportlern ganz anders aussieht.
Ein herzliches Dankeschön an die vielen Volunteers und an MooveMee und die Challenge Family für den Mut zu einer besonderen Veranstaltung!

Was mache ich wohl ein Tag nach dem Rennen? Wer hätte es vermutet, mit anderen Touristen lasse ich mich mit der Bahn auf den Berg fahren und genieße bei einem kleinen Spaziergang rund tausend Meter über Davos mein Rennen und die Stille. Ich bin dort wo ich mich mindestens genauso wohlfühle, in den Bergen, abseits vom Trubel.

1 comment

  1. Constanze Wilm

    Tip-Top Lena – ich freue mich riesig mit dir!

    Herzliche Grüße von Constanze

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