Die (Regen-)Challenge am Walchsee

Bis zum Einschwimmen war es nicht nur kalt, es war einfach nur saukalt. Dann die Erleichterung beim Einschwimmen: 18 Grad Wassertemperatur fühlten sich an wie Schwimmen im Jungbrunnen. Ich wollte gar nicht mehr raus aus dem Wasser aber für den Landstart musste das sein. Jammern hilft eh nicht – da musst du heute durch – du hast dir den Start selber ausgesucht, das ging mir kurz vor dem Startschuss durch den Kopf. Ob ich die richtige Kleidung für das Rennen gewählt hatte, hatte ich zu diesen Zeitpunkt schon längst wieder verdrängt.

Auf der um 400 m auf 1500 m verkürzten Schwimmstrecke fand ich mich ab der ersten Wendeboje zu meiner eigenen Überraschung in der ersten Gruppe des Starterfelds der Damenelite wieder. Als vierte Frau stieg ich aus dem Wasser und war nach dem Radaufstieg an zweiter Position, weil ich bis auf die Handschuhe bereits alles an Kleidung an hatte.

Auf der Radstrecke konnte ich gewohnt schnell mein derzeitiges Niveau abrufen. Nur leider sollte das heute nicht lange dauern, denn zum einen verschwand das Gefühl in meinen Zehen und Oberschenkeln bald bei den widrigen Bedingungen mit acht Grad und Dauerregen, sodass ich nicht wirklich spürte ob es anstrengend war oder nicht. Und zum anderen konnten meine kalten Muskeln nicht mehr ihre volle Leistung bringen. Irgendwann wollte auch mein Wattmessgerät meine Leistung nicht mehr anzeigen – ich denke es war ihm auch zu widrig. Das einzige warme Gefühl, das mir während der Zeit im Sattel blieb, war der Gedanke an Kaiserschmarren im Ziel. Vielleicht waren ein langärmliges Unterhemd, Knielinge, Handschuhe und Zehenkappen doch zu wenig um die Kälte abzuwehren. Auf Position Vier kehrte ich wieder in die zweite Wechselzone zurück. Das war in Anbetracht meiner letzten Wettkämpfe ungewohnt, aber mein Körper war zu diesem Zeitpunkt einfach Nahe am Gefrierpunkt angelangt.

Im Wechselzelt versuchte ich mit meinen gefühllosen Händen die Socken und Schlappen über die ebenso tauben Füße zu ziehen. Wie entfesselt rannte ich am See entlang in der Hoffnung wieder aufzutauen. Aber nach der ersten Runde musste ich leider feststellen, dass es mir trotz des sehr hohen Tempos, das ich angeschlagen hatte, nicht warm wurde. Nach zwei weiteren Runden und somit rund 15 km bemerkte ich, dass ich heute bei der Kältechallenge zu viel Energie benötigte. Beim letzten Anstieg war es dann um mich geschehen: ich hatte das Gefühl nicht mehr bei mir zu sein. Kurz darauf wurde ich auf Platz fünf verwiesen. Die letzten zwei Kilometer fühlten sich ewig an.

Wer jetzt aufmerksam gelesen hat weiß was ich im Ziel als erstes gemacht habe. Genau, zwei Portionen Kaiserschmarren verdrückt.

Nach drei von vier Teilnahmen bei Regen und Kälte beim Trans Vorarlberg Triathlon musste ich leider feststellen, dass es doch noch eine Steigerung in Sachen Kampf gegen die Kälte und Kampf gegen sich selbst gibt.

Respekt an alle, die nicht bereits vor dem Start ihr Rad aus der Wechselzone geschoben haben und an alle, die gefinished haben!

Vier Tage nach der Challenge Walchsee ist mir wieder warm und ein neues Feuer brennt in mir. Die Energie nehme ich von meiner Anmeldung zur Challenge Davos, wohl wissend, dass dort auch Schnee liegen kann. Zur Not fahre ich mit meiner Daunenjacke 🙂

Bis bald, eure Lena

Fotos: Marcel Hilger – Photography

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